Evil Storytelling: Wie man mit Geschichten schlechte Stimmung macht

26.07.2018: „Jurors go with the narrative that makes sense. We’re here to tell a story. Our job is to tell that story better than the other side tells theirs.“ In der großartigen Serie “American Crime Story” sind das die Worte von Rechtsanwalt Johnnie Cochran, der den ehemaligen Football-Star O.J. Simpson in einem legendär gewordenen Prozess verteidigte. Simpson war des Doppelmordes an seiner Ex-Frau und einem Bekannten angeklagt, die Staatsanwalt hatte erdrückendes Beweismaterial gegen ihn vorliegen. Aber Cochran schaffte es tatsächlich, der Jury die „bessere Geschichte“ zu erzählen, indem er die „race card“ spielte und den Fokus weg von Simpson hin zum allgemeinen Rassismus der Polizei lenkte. Simpson wurde freigesprochen. Diese Serie erzählt, wie Meinung gemacht wird in den Medien.

Unseriöse Meinung in den Medien mit der „race card“ machte auch die Londoner PR-Agentur Bell Pottinger. Die Agentur arbeitete mit Diktatoren und Oligarchen, entzündete absichtlich die Rassenspannungen in Südafrika – und zerstörte sich dabei selbst. Der New Yorker hat darüber einen Artikel veröffentlicht, der sich wie ein Hollywood-Thriller liest: Neben den unseriösen Taktiken für ihre Kunden geht es um den internen Machtkamp zweier Bosse, der erst endete, als der eine neben der Agentur sein Geld und seine Reputation verloren hatte.

Sowohl die Serie als auch der Artikel zeigen die große Macht von Storytelling, die sich für individuelle Zwecke manipulieren lässt. Erschreckend – aber sehr spannend.

Gitta Rohling

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